Wanderung des Tongariro Northern Circuit

Wanderung des Tongariro Northern Circuit

Bereits Mitte November musste ich den Tongariro Northern Circuit zu Anfang Februar buchen. Dieser Wanderweg in der Gruppe der Great Walks bietet Hütten und Zeltplätze zur Übernachtung, die vorher komplett ausgebucht waren. Das kam mir aber auch wegen des Wetters entgegen. Es waren noch Minusgrade in den Höhenlagen 🙂

Die Route

Route des Tongariro Northern Circuit

 

1. Tag

Ausgehend vom kleinen Dorf Whakapapa (sprich: Fackapapa) ging es 5h durch eine Grasbüschellandschaft (Tussock) unterbrochen mit Gestein, die zwischen den beiden letzten Vulkanen einer Vulkankette liegt – Mount Ruapehu und Mount Ngauruhoe. Das Wetter war so schlecht, dass andauernder Nebel die Sicht versperrte. Manchmal reichten diese 30m gerade soweit den nächsten Stab zu sehen, der den Weg markierte. Nach einem kleinen Ausflug auf einem Nebenweg, auf dem ich „natürlich“ wieder Deutsche traf, erreichte ich dann die Waihohonu Hut. Diese neu gebaute Hütte war die komfortabelste, in der ich war. Hütten der Great Walks in Neuseeland bieten Matratzen Mehrbettzimmern und Kochgelegenheiten (Gas) im Gemeinschaftsraum. Geschirr, Schlafsack und natürlich Essen bringt jeder mit und nimmt auch seinen Müll wieder mit.

2. Tag

Es war heftiger Regen ab Mittag bis zum nächsten Morgen angekündigt, sodaß wir alle früh aufstanden, um noch vor dem Regen, die nächste Hütte zu erreichen.  Mit uncoolem Plastikponcho ging ich schon vor 8:00h los, um dann 2,5h durch Nebel und Nieselregen mit ein bisschen Wind auf Anhöhen durch eine Mischung aus Grasbüschel und Steinlandschaft zu marschieren. So war ich bereits ca. 10:00h morgens in der Oturere Hut. Den Tag verbrachte ich irgendwie,  Schach spielend mit den Söhnen einer reizenden französischen Familie und Skat spielend mit 2 Berlinern, die alle den gleichen Weg hatten.

3. Tag

Geweckt von der Sonne am strahlend blauen Himmel sollte das der schönste Tag vom Wetter, Erlebnissen und Erinnerung her werden. Mit dem älteren 12-jährigen Sohn der französischen Familie, der natürlich schon viel zu alt war, um mit seiner Familie zu wandern, brach ich auf. Der Weg führte über die Ausläufer von erkaltetem Lavagestein hinauf zu den Emerald Lakes. Dieser Weg bergauf war von oben betrachtet ein Strahl des Lavaflusses eines ausgebrochenen Vulkans. Inzwischen roch es auch nach Schwefel, der aus dem Berg herausdampfte. Als wir die Seen erreichten bot sich ein toller Blick. Die Seen haben eine echt irre Farbe.

Von dort ging es dann steil hoch zum Red Crater. Oben angekommen bot sich mir ein unglaubliches Farbenspiel.

 

 

 

 

 

 

Wir haben dann dort auf die Familie des Jungen gewartet, als ich in der Ferne den Blue Lake sah. Ich musste dahin zurück und bin den Berg nochmal runter um zu prüfen, ob der See wirklich blau war 🙂

Der Rückweg und nochmalige Aufstieg hat sich schon allein für diesen Blick gelohnt. Ich habe mich einfach 15min auf den Weg gesetzt und nur genossen.

 

 

 

 

Im Vordergrund der Red Crater und im Hintergrund der Mount Ngauruhoe, ein als aktiv bezeichneter Vulkan. Der letzte Ausbruch war allerdings 1975. Dieser Vulkan diente für „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ als Schicksalsberg in Mordor und hier wurde der Ring von Frodo eingeschmolzen.

Motiviert ging ich ein zweites Mal den steilen Weg hoch zum Red Crater. Der Weg führt genau am Rand entlang und ist ca. 10m breit – links und rechts geht es steil hinunter. 10m hört sich viel an, da der Wind aber dort sehr stark ist, geben die Nationalparkmitarbeiter (Ranger, Hüttenwirte)  Empfehlungen aus, ob der Weg gefährlich ist oder nicht. Später erfuhr ich in der nächsten Hütte, dass eine zarte kleine Dame sich am Steinhaufen festhalten musste, um nicht weggeweht zu werden, nach dem der Wind sie schon 1m verschoben hat. Puh, wie gefährlich. Am Tag zuvor war das Wetter so schlecht, dass die Ranger abgeraten haben, den Weg zu gehen. Auf der anderen Seite ging es den Berg wieder hinunter zu einer als Südkrater bezeichneten Ebene. Unterwegs wunderte ich mich über einen Wanderer, der barfuss über diese steinigen Wege lief. Ob der wohl für den nächsten Hobbitfilm trainierte? 

Am Südkrater vorbei stand da ein Schild „Ngauruhoe Summit“ – also ein Aufstieg zur Vulkanspitze. Da ich schon 4h unterwegs war, und der steile Auf- und Abstieg 3h dauern sollte, machte ich erst mal eine Pause, ob ich noch fit genug war. Bisschen Zucker, Wasser und Proteine und los ging es, aber ohne Rucksack. Der Aufstieg war echt anstrengend und teilweise über Schotter bin ich auf steilem Gefälle zwei Schritte vor und einen halben zurückgerutscht.

Auf einem Drittel der Strecke mal einen Blick zurück nach unten geworfen. Mittlerweile gesellte sich noch eine Dreiergruppe Wanderer zu mir und wir erklommen gemeinsam diesen Schicksalsberg Murdors. Ich habe schon lange das Bild, dass ich mal einen Vulkan besteigen möchte, um über den Kraterrand hinein zu schauen. Auch diesen Wunsch kann ich nun von meiner Bucketlist (Löffelliste) streichen. 

Oben angekommen bot sich ein toller Einblick in den Krater und Ausblick über die umliegende Landschaft.

Irre oder? Diese Farben sind unglaublich und fast surreal, wie nicht von dieser Welt. 

Und was habe ich oben auf dem Kraterrand gefunden:

ohne Worte, doch kein Hobbittraining 

 

 

 

 

 

Nach Abstieg vom Schicksalsberg waren es noch ca. 1,5h zur Mangatepopo Hut, wo ich dann nach 9h Wanderung überglücklich einschlief – welch ein Tag! Ich habe keine Ahnung woher ich so euphorisiert die Kraft hatte, wie im Glücksrausch der Gefühle hielt sich diese Stimmung über die nächsten Tage.

4. Tag

Der letzte Abschnitt des Weges führte ca. 3h zurück durch das Tal über eine Buschebene zum Ort Whakapapa. Der Bewuchs war mit zwischen knie- und mannshochen Büschen und Bäumen gesäumt, die immer höher wurden je tiefer (Höhenmeter) ich kam. Noch ein kleiner Abstecher zu einem Wasserfall und dann war ich am Ende dieser Wanderung angelangt.

Nach den ersten Abschiedsgedanken von der Südinsel Neusselands und dem nahenden Abflug war das ein Erlebnis, dass mich die nächsten Tage nachhaltig beeindruckt. Die nächsten Tage musste ich auch morgens immer eine Runde gehen und es fühlte sich wie ein Bedürfnis an. Erst als ich dann 3 Tage später nochmal eine anstrengende 4h Wanderung bergauf und bergab machte, war auch ein bisschen Ruhe eingekehrt. Und diese farbenprächtigen Bilder werde ich immer in mir tragen. 

Alle Bilder der Wanderung:

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